Jedesmal, wenn ich versuche die Arbeit mit natural voice zu beschreiben, komme ich an einen Punkt, an dem es für mich mühsam wird, ich ratlos werde, aufgebe und den Text auf morgen verschiebe.
Ich weiß einfach nicht, wie ich diese Arbeit konkret in Worte fassen kann.
Das frustriert mich jedesmal.
Wenn ich keine Worte für diese Arbeit nach dem Einatmer-Ausatmer-Prinzip finde und wie sie für mich mit dem Singen und dem Leben zusammenhängt, wie sollen dann Interessierte zu mir kommen und es ausprobieren wollen?
Denn es ist ja so: Manchmal möchte man einfach Hard Facts, um sich auf eine Sache einzulassen. Ich kann das verstehen, es geht mir in vielen Fällen auch so. Man möchte wissen: Was bringt es? Was bewirkt es? Wie geht das? Was wird dadurch besser? Und so weiter und so weiter.
Aber: Ich kann euch das nicht liefern, sorry.
Schriftlich gelingt es mir manchmal besser, weil ich da Wörter tauschen kann, an den Satzstellungen drehen, Formulierungen verwerfen und neu machen kann. Aber im Mündlichen… da kommt es auf den Moment an.
Und dann ist er da: Der Knoten im Kopf.
Gefühl versus Hard Facts

Leben und singen nach dem Einatmer-/Ausatmer-Prinzip, sprich natural voice, ist ein Teil von mir geworden.
Das Ausatmer-Prinzip, welches mir zu eigen ist und zu mir passt, ist für mich viel mit Gefühl verbunden. Ich spüre das innerlich. Es ist ein Empfinden im Körper.
Ich kann das nicht in Worte fassen. Oder: Vielleicht will es sich von mir nicht in Worte fassen lassen. Noch nicht… wer weiß?
Es ist in etwas so, wie in dem Interview für den Podcast Backstage von Leni Bohrmann. Ihre erste Frage hat mich wirklich kalt erwischt: „Warum singst du im Chor?“ Und meine Antwort: „Das ist aber eine schwere Frage.“ Eigentlich nicht, die Frage liegt ja auf der Hand, wenn man meine Biographie kennt.
Warum ist es trotzdem so schwer für mich, sie zu beantworten?
Ich singe im Chor seit ich ca. 12 Jahre alt bin. Das ist einfach so. Ich bin damit aufgewachsen. Es gehört zu mir als Mensch. Ich habe das nie hinterfragt, es ist für mich einfach selbstverständlich. Und Dinge, die für mich selbstverständlich sind, kann ich nur schwer erklären.
Vielfältige Motivation

Ich könnte natürlich Dinge sagen, wie: „Ich singe gerne“, „Ich singe gerne mit anderen zusammen„, „Ich liebe den Zusammenklang aus verschiedenen Stimmen„, „Ich liebe die Harmonien, die entstehen„, „Ich habe Freude, wenn ich die anderen sehe“ und so weiter und so weiter.
Das alles trifft zu und trifft doch nicht den Kern für mich.
Es ist ein Drang, dies machen zu wollen. Es würde mir einfach etwas Großes fehlen, wen ich es sein ließe, Ich würde innerlich ärmer werden.
Und es gibt unterschiedliche Motivationen, es immer wieder zu tun – mal ist die eine stärker, mal die andere. Beispielsweise kann es das Stück sein, das ich unbedingt singen möchte. Oder es ist ein besonderer Anlass, bei dem ich gerne mitgestalten möchte. Oder ein Chor, in dem ich unbedingt singen möchte. Oder ein Dirigent, mit dem ich arbeiten möchte. Manchmal möchte ich Neues lernen. Manchmal aber auch im Altbekannten schwelgen. Oder oder oder.
Im Chor zu singen ist einfach ein Teil von mir.
Meine Leitplanke

Genauso ist es mit dem Einatmer-/Ausatmer-Prinzip von natural voice. Für mich steht es für mehr Anbindung an meinen Körper und auch meine Persönlichkeit. Es steht für mich für mehr Leichtigkeit (hier ein paar Gedanken dazu). Es steht für mich und mein Innerstes. Ich kann das nicht weiter in Worte fassen.
Es hat mich innerlich wachsen lassen. Und es ist eine meiner Leitplanken durch das Leben.
Kann ich immer zu jeder Zeit an dieser Leitplanke entlang gleiten? Nein. Auch ich werde durch unebene Wege, Seitenwinde oder zu hohes Tempo von ihr weggeführt.
Das ist manchmal doof. Kann aber auch richtig sein. Denn so entdecke ich auch nochmal weitere Dinge am Wegesrand, die mich bereichern.
Aber ich komme immer wieder gerne zu meiner Leitplanke zurück. Sie ist mein Anker und Wegweiser. Durchs Singen und durchs Leben.