Jahresrückblick 2025: Zwischen Anspannung und Glitzer

Dieses Jahr war kein einfaches für mich. Meinem Gefühl nach wurde ich oft zwischen sehr weit auseinander liegenden Polen hin- und hergerissen oder bin selbst mal hierhin, mal dorthin gesprungen. Die goldene Mitte habe ich selten gefunden.

Im Fokus standen vor allem private Themen, die einfach Aufmerksamkeit wollten. Meine Selbstständigkeit fand nur am Rande statt. Aber mein eigenes Singen hat trotzdem einen hohen Stellenwert eingenommen – worüber ich sehr froh bin.

Welche Themen mich so durch dieses Jahr begleitet haben, könnt ihr hier in meinem Jahresrückblick 2025 nachlesen.

Meine Themen 2025

Loswerden, was nicht mehr passt

Zusätzlich zu meiner Selbstständigkeit habe ich einen Teilzeit-Job. Das gibt mir Sicherheit. Fünf Jahre lang war ich in einer Arztpraxis als Bürokraft tätig. Dieses Jahr war eine Grenze erreicht: Ich hatte zuerst das Gefühl und dann den starken Drang, etwas ändern zu müssen.

Es war einfach Zeit, den alten Job zu kündigen – auch, wenn es mir aus menschlicher Sicht schwer gefallen ist wegen meiner netten Kolleginnen.

Abschiedsgruß von meinen Kolleginnen

Warum, war dieser Schritt so, so wichtig für mich? Weil ich gemerkt habe, dass ich in dem alten Job in einem Tempo gearbeitet habe, das nicht zu mir passt. Ich war immer nur im Reaktionsmodus und hatte das Gefühl, keine Arbeit so richtig vollenden zu können, weil schon wieder etwas Neues auf mich zukam. Natürlich gibt es in jedem Job Zeiten, in denen man nur reagieren kann. Aber, wenn dies ein Dauerzustand ist, dann ist das nichts für mich. Das konnte ich nicht mehr ignorieren, weil es mich immer mehr unzufrieden gemacht und erschöpft hat.

Daher war es Zeit, wieder mein eigenes Tempo zu finden.

Und so habe ich mich auf die Suche nach einem anderen Job, der stundenmäßig einen ähnlichen Aufwand hat, gemacht und auch gefunden. Bewerbung losgeschickt, Vorstellungsgespräch absolviert, Anruf bekommen: Treffer!

Seit September bin ich in dem neuen Job und fühle mich dort richtig wohl. Auch dort gibt es Phasen, in denen ich nicht selbst bestimmen kann, wann was wie zu tun ist, weil Kunden vor einem stehen und etwas möchten, weil Kollegen eine Frage haben oder eine dringende Aufgabe an einen herangetragen wird. Aber es gibt eben auch die Zeiten, in denen ich selbst agieren kann. Im Sinne von: meine Arbeit zu strukturieren, Aufgaben in sinnvolle Schritte einzuteilen und diese nach und nach abzuarbeiten.

Wie wohltuend, dass ich jetzt wieder in meinem eigenen Tempo sein darf!

Meine eigenes Singen professionalisiert

Vielleicht habt ihr ihn ja schon gelesen: Meinen Artikel, worauf ich im 2025 besonders stolz bin. Nämlich auf die beiden Konzerte mit den Chören unmuted und Vokalensemble St. Andreas.

Warum waren die beiden Konzerte so wichtig für mich? Weil ich damit auch mein eigenes Singen weiter professionalisiert habe.

Schon lange bin ich weg von der Ansicht: Singen muss nur Spaß machen, ansonsten ist alles egal. Das ist nicht mein Anspruch ans Singen bzw. selbst musizieren. Ich möchte sängerisch auf semiprofessionellem Niveau arbeiten. Das bedeutet, dass ich mich für Proben zu Hause vorbereite, die Stücke kenne, meine Noten kann, schon im Vorfeld schwierige Stellen ausgemacht und nach Möglichkeit schon gelöst habe. Und ich möchte nur noch mit Leuten singen, die dies auch machen.

Natürlich macht mir singen Freude. Aber ich möchte auch etwas erzielen. Zum einen ganz persönlich, dass ich immer besser werde, dass sich meine Stimme entwickelt, dass ich anspruchsvolle Programme singen kann, dass ich mit anderen zusammen singen kann, die denselben Anspruch haben wie ich.

Ich möchte nicht einfach auf einem Niveau stehen bleiben, sondern mich weiter entwickeln. Und diese beiden Konzerte haben entscheiden dazu beigetragen.

Du kannst das gerne nochmal nachlesen: zum Artikel.

Die liebe Familie und ihre drei K’s: Köln, Kanada, Katze

Familiär waren es ein turbulentes Jahr. Vieles forderte Beachtung. Und vieles spielte sich ab zwischen Freud und Leid.

Das erste K: Köln

Meine Ursprungsfamilie wohnt in Köln, bzw. in der Umgebung davon. Hier ist einiges passiert und – angesichts des Alters meiner Mutter – wird sicherlich auch immer wieder etwas passieren, das mich herausfordern wird. Ich gehe nicht weiter ins Detail, bislang konnte ich alles einigermaßen lösen. Aber es bleibt eine gewisse Anspannung, die einfach immer im Hinterkopf mitläuft und dadurch einige Kraftreserven anzapft.

Das zweite K: Kanada

Aber: Es gab auch ein sehr schönes Ereignis, in meiner „Beutefamilie“ in Kanada. Im April sind wir nach Montréal geflogen, um ein neues Erdenmitglied kennenzulernen. Gerade eineinhalb Monate war es auf der Welt.

Das spannende war nicht nur das familiäre Ereignis, sondern auch die Reise an sich. So eine weite Reise hatte ich lange, lange nicht mehr gemacht, daher war ich schon Tage vorher aufgeregt. Und dann – wir waren gerade ins Taxi gestiegen, um zum Kölner Flughafen zu fahren – kam die Nachricht, dass unser Anschlussflug von London nach Montréal ausfällt.

Ich sag’s ganz ehrlich, mein Nervensystem war am Anschlag und ich war kurz davor, einfach zu Hause zu bleiben. Ein paar Minuten später dann die Nachricht, dass wir einen Ersatzflug bekommen, allerdings sechs Stunden später. In Heathrow angekommen, haben wir einen Gutschein für Essen und Getränke bekommen… naja… damit die Stunden vollzukriegen, war schon hart. Eigentlich kann man dort ganz nett shoppen – wenn man das nötige Kleingeld für Chanel hat… 🙂

Montréal selbst hat uns unglaublich freundlich empfangen. Die Stadt ist eine spannende Mischung aus Europa und Amerika. An manchen Ecken dachte ich wirklich, in bin in Belgien oder den Niederlanden. Und dann Downtown auf einmal Wolkenkratzer aus Stahl und Chrom.

Die Menschen dort sich unglaublich nett. Ein nettes Miteinander ist oberste Priorität. Zum Beispiel als im Supermarkt wegen der langen Schlange eine zweite Kasse aufmachte. Bei uns wären sofort die Kunden, die ganz hinten gestanden hätten, sofort hingestürmt. Hier aber wurde die Reihenfolge eingehalten: Wer an der ersten Kasse zuerst angestanden hatte, durfte auch als erstes an die neu aufgemachte Kasse. Total selbstverständlich. Und in der U-Bahn wurde immer erst gewartet, bis alle ausgestiegen sind, die aussteigen wollten, erst dann gingen die neuen Passagiere rein.

Diese Dinge sind uns so wohltuend aufgefallen und wir haben gemerkt, wie raus der Ton hier bei uns ist. Also: absolute Reisemepfehlung!

Das dritte K: Katze bzw. Kater

Seit 2011 habe ich einen schwarzen Kater: Elvis. Wir haben ihn aus dem Dellbrücker Tierheim. „Schmusebär Elvis“ – so war er auf der Webseite des Tierheims betitelt. Und als Elvis-Fan (also, von dem Sänger), dachte ich: Der ist es! Er stellte sich dann nicht ganz so als Schmusebär heraus, aber das macht nichts. Wir passen bestens zusammen. Am Anfang hatte er mit ein paar Allergien zu kämpfen, wahrscheinlich war es einfach die neue Umgebung, das neue Futter etc. Solche Phänomene kenne ich auch 🙂

Und: Er lebt nach seinem eigenen Tempo und das ist so schön zu sehen. Ich denke, er ist auch ein Ausatmer, wie ich.

Manchmal sieht man ihn richtig denken: Soll ich da jetzt wirklich hingehen? Lohnt sich das? Habe ich da Lust zu? Da rattert es in dem schwarzen Fellkopf. Und jetzt, im Alter, verstärkt sich das noch.

Denn Elvis ist dieses Jahr 20 Jahre alt geworden. Ja, 20!

Wir haben ihm zu Ehren ein Gartenfest gefeiert. (…naja, der eigentliche Anlass für die Feier war, dass die kanadische Familie mit ihrem drei Monate alten Sohn nach Köln gekommen ist, aber das weiß er ja nicht… 🙂 Das war so ein schönes Fest, unglaublich!

Jetzt im Oktober hat sich Elvis‘ Gesundheitszustand allerdings sehr verschlechtert. Eine Schwäche des Herzens wurde diagnostiziert und dass sich schon Wasser in der Lunge gesammelt hat. Ich habe tatsächlich gedacht, dass jetzt die Zeit gekommen ist, mich von ihm zu verabschieden. Aber unter der Medikation, hat er sich wieder gut erholt und lebt ein zufriedenes Leben.

Neue Erfahrungen machen

Einfach aus der Oper abhauen

Im Februar haben wir uns einen Wunsch erfüllt und haben eine Vorstellung in der Opèra Garnier in Paris besucht. Wir waren so voller Vorfreude… und dann wurde es schrecklich.

Der erste Schock: So eng, klein und rückenschädigend habe ich noch nie gesessen. Ich habe nur gedacht: Einfach atmen und versuchen, so viel wie möglich im Körper zu entspannen. Aber es war sehr herausfordernd.

Der zweite Schock: Die Vorstellung war unglaublich langweilig. Das Bühnenbild, die Inszenierung – trist und ohne etwas, woran das Auge gerne hängen bleibt.

Der dritte Schock: Die Musik war teilweise superleise und verschleppt. Es war, als wenn die Musiker nur für die ersten fünf Reihen gespielt hätte. Leider haben sie die Leute oben auf den Rängen und den Balkonen damit völlig außen vor gelassen.

Was soll ich sagen? Die Pause war nach eineinhalb Stunden. So lange haben wir glorios durchgehalten: Die Sitze und die Vorstellung. Und dann sind wir gegangen.

Wir haben uns dann noch einen sehr netten Abend in Paris gemacht. Insofern war es eine trotzdem eine schöne Erfahrung.

Bei Jugend musiziert mitgeholfen

„Helfer für den Bundeswettbewerb ‚Jugend musiziert‘ gesucht“ – im Internet gefunden, beworben und engagiert worden. Drei Tage war ich im Einsatz und habe mit zwei anderen Kolleginnen den musizierenden Jugendlichen helfend zur Seite gestanden. Und auch ihren Eltern. Denn die waren oft aufgeregter als ihre Kinder und haben gerne zur bereit gestellten Nervennahrung gegriffen.

An der Scheibe gedreht

Seit Anfang 2025 gibt es auf unserer Hauptstraße eine Töpferwerkstatt und als dort Kurse angeboten wurden, habe ich zugegriffen: Ein Intensivkurs an der Drehscheibe. Es hat total viel Spaß gemacht, war aber auch sehr überraschend: Denn wenn die Profis an der Scheibe sitzen, sieht es so aus, als wenn der Ton quasi wie von selbst in die richtige Form rutscht. Es wirkt alles so easy und smokt. Aber es ist total viel Kraft in den Fingern, Händen und Armen notwendig, damit sich der Ton überhaupt bewegt. Am nächsten Tag hatte ich auf jeden Fall etwas Muskelkater…

Im Trio gesungen

Ich habe schon öfters bei der Langen Nacht der Kirchen mitgewirkt. Dieses Jahr aber erstmals im Trio zu drei Sopranen. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir freuen uns auf eine Wiederholung. Wann? Das wird noch bekannt gegeben 🙂

Ausschnitt aus dem Programmheft

4 Kommentare

  1. Liebe Sirun,
    so ein turbulentes Jahr. Vieles erkenne ich auch bei mir. Den Anspruch nicht nur aus Freude zu Musizieren, sondern so gut es mir möglich ist.
    Die alte Katze: Unsere Cherri bekam mit 19 Probleme mit dem Herzen, wegen Corona waren die Medikamente aber nicht lieferbar. Sie hat dann noch ein Jahr gelebt, geschnurrt und geliebt, dann mussten wir sie schweren Herzens gehen lassen, aber es war gut so.
    An der Scheibe getöpfert habe ich auch schonmal vor Jahren und war erstaunt, wie schwer das ist, aber es war eine tolle Erfahrung.
    Dir alles Gute im neuen Jahr und viele wunderschöne (musikalische) Momente.

    1. Liebe Stephanie, ganz lieben Dank für deinen Kommentar. Ich wünsche dir auch alles Gute für das neue Jahr mit viel Musik 🙂

  2. Liebe Sirun, als Musiker musste ich mich natürlich gleich über Deinen Rückblick hermachen und fand ihn sehr sympathisch. Ich kann nur raten, Pflege die Kunst weiter. Was mir fehlte war natürlich eine Angabe: Welche Oper wurde gespielt? Man kann sich dann gleich ganz anders in die Situation denken, wenn man die Musik im Hinterkopf mitfühlt. Schade, dass es ein derart unglücklicher Tag war, aber leider hatte ich öfters ähnliche Erfahrungen gemacht. Herzliche Grüße Claus

    1. Lieber Claus, danke für deine Anregung! Wahrscheinlich werde ich den Artikel nochmal bearbeiten (auch noch mit anderen Bildern oder weiteren Texten, mal sehen). Aber für dich vorab schon zur Info: Es war „Castor et Pollux“ von Rameau. Das Problem war halt, wie musiziert wurde und vor allem die Inszenierung. Es war halt superlangweilig. Naja, sowas passiert… und es wurde ja noch ein schöner Abend im Bistro 🙂

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